Robin Stohler

KI-Webdesign und Webentwicklung aus Zürich

Künstliche Intelligenz im KMU: wo sie hilft, und wo nicht

Gerastertes Beitragsbild aus balken-Zeichen in gelb

Am meisten bringt KI in einem KMU dort, wo eine Aufgabe oft anfällt, klar beschreibbar ist und ein Mensch das Ergebnis am Ende noch anschaut. Texte vorbereiten, Anfragen sortieren, Daten aus Dokumenten holen, Software bauen. Am wenigsten bringt sie dort, wo es auf ein verlässlich immer gleiches Ergebnis ankommt oder wo ein Fehler teuer wird und niemand ihn bemerkt.

Dieser Text nennt beide Seiten, mit Beispielen aus Projekten, die laufen.

Wo es sich lohnt

Texte, die sowieso geschrieben werden müssen

Kursbeschriebe, Newsletter, Beiträge für die Website, Antworten auf wiederkehrende Anfragen. Ein Sprachmodell schreibt hier nicht den fertigen Text, sondern die Fassung, an der Sie noch dreissig Minuten arbeiten statt drei Stunden.

Der Gewinn liegt im leeren Blatt, das wegfällt. Wer einen Newsletter schon einmal zwei Wochen vor sich hergeschoben hat, weiss, dass die Schreibarbeit selten das Problem war, sondern der Anfang.

Kundenkommunikation, die immer dieselben Fragen beantwortet

Öffnungszeiten, Preise, Anfahrt, Voraussetzungen für einen Kurs.

Ein Chatbot auf der Website nimmt diese Fragen ab, wenn er ausschliesslich mit Ihren eigenen Inhalten arbeitet, bei Unsicherheit an einen Menschen übergibt und nicht so tut, als wüsste er etwas, das nirgends auf Ihrer Seite steht. Genau daran scheitern die meisten Bots, die man im Netz antrifft: Sie antworten immer, auch wenn sie nichts wissen.

Für ein Zürcher Bildungsinstitut habe ich einen solchen Bot als eigenes WordPress-Plugin gebaut, mit Administrationsoberfläche und Sprachdateien. Wichtig war dabei weniger die Antwortqualität als die Frage, wann der Bot schweigt.

Ein Bot muss ausserdem als Bot erkennbar sein. Das ist zunächst eine Anstandsfrage und für Betriebe mit Kundschaft in der EU zusätzlich eine Rechtsfrage: Artikel 50 der europäischen KI-Verordnung verlangt seit dem 2. August 2026, dass Menschen erfahren, wenn sie mit einem KI-System sprechen. Schreiben Sie es in die erste Zeile des Chatfensters, nicht ins Impressum.

Verwaltungsarbeit, die aus Dokumenten Daten macht

Rechnungen, Anmeldungen, Auswertungsbögen. Alles, wo jemand etwas abtippt, das bereits digital vorliegt. Hier ist der Gewinn am handfestesten, weil sich die eingesparte Zeit direkt zählen lässt.

Bei einem Kunden wandern die Lieferantenrechnungen der einzelnen Lehrgänge automatisch in die Buchhaltung nach Bexio, statt dass jemand sie abtippt. Bei einem anderen laufen Kursevaluationen durch ein Auswertungswerkzeug statt durch eine Excel-Tabelle, die jedes Semester neu von Hand aufgesetzt wurde und in der regelmässig eine Spalte verrutschte.

Der Zeitgewinn bei der Belegverarbeitung rechnet sich sofort.

Werbekonten, die niemand regelmässig prüft

Google Ads ist ein Bereich, in dem Geld leise verschwindet: falsche Suchbegriffe, tote Anzeigengruppen, Gebote, die seit Monaten niemand angefasst hat. Ein Skript prüft das Konto in Minuten und schlägt Änderungen vor.

Software und Websites bauen

Der Bereich, in dem der Unterschied am grössten ist. Was früher Wochen brauchte, steht heute in Tagen. Das gilt allerdings nur, wenn jemand den erzeugten Code liest und versteht. Andernfalls entsteht eine Anwendung, die funktioniert, bis sie es nicht mehr tut, und dann kann niemand sie reparieren.

Sichtbarkeit in Suche und Antwortmaschinen

Ein Teil der Suchanfragen wandert von Google zu ChatGPT und Perplexity ab. Wie gross dieser Teil in Ihrer Branche ist, sehen Sie in Ihrer eigenen Webanalyse: Verweise von chatgpt.com und perplexity.ai tauchen dort seit gut zwei Jahren auf. Schauen Sie nach, bevor Sie jemandem glauben, der Ihnen einen Prozentsatz nennt. Ob Ihr Betrieb dort vorkommt, hängt davon ab, wie Ihre Website geschrieben ist. Das ist ein eigenes Thema, dazu gibt es einen zweiten Artikel.

Wo es sich nicht lohnt

Wenn das Ergebnis exakt reproduzierbar sein muss

Sprachmodelle antworten auf dieselbe Frage nicht immer gleich. Für einen Lohnlauf, eine Rechnungsstellung oder eine Terminvergabe ist das die falsche Technik. Dort gehört gewöhnliche Software hin, die tut, was in ihr steht.

Wenn ein Fehler durchrutscht, ohne dass es jemand merkt

Automatisierung ohne Kontrollpunkt ist der häufigste teure Fehler. Bevor irgendetwas automatisch läuft, muss klar sein, wer bei einem Fehlschlag benachrichtigt wird und woran ein falsches Ergebnis überhaupt erkennbar ist. Diese zweite Frage wird fast immer übersprungen, weil sie langweilig ist und niemand sie stellen will, solange alles funktioniert.

Die Frage nach dem erkennbaren Fehler ist die wichtigere von beiden.

Ein Newsletter, der an die falsche Gruppe geht, ist ärgerlich. Eine Rechnung an die falsche Adresse ist teuer. Der Unterschied liegt nicht in der Technik, sondern in der Prüfschleife davor.

Wenn die Datengrundlage nicht stimmt

KI verbessert keine schlechten Daten. Sie beschleunigt ihre Verbreitung.

Wer eine Adressdatenbank mit Dubletten hat, bekommt nach der Automatisierung dieselben Dubletten, nur schneller und in mehr Kanälen.

Wie Sie anfangen

Nehmen Sie eine einzige Aufgabe, die mindestens wöchentlich anfällt, die Sie in zwei Sätzen beschreiben können und bei der ein Fehler auffällt, bevor er Schaden anrichtet. Automatisieren Sie diese eine Aufgabe vollständig, inklusive Benachrichtigung im Fehlerfall. Rechnen Sie danach nach, wie viel Zeit tatsächlich frei geworden ist.

Erst wenn dieser Kreis einmal geschlossen ist, lohnt sich der zweite Schritt. Die Reihenfolge klingt langsam und ist der schnellste Weg, den ich kenne.

Was es kostet

Die laufenden Kosten für Sprachmodelle liegen für ein KMU meist im zweistelligen Frankenbereich pro Monat und Anwendungsfall. Selten dreistellig. Der eigentliche Aufwand steckt im Aufsetzen: die Aufgabe beschreiben, den Ablauf bauen, die Kontrollpunkte einziehen, und danach eine Weile beobachten, ob es hält.

Wer eine Zahl hören will, bevor irgendjemand die Aufgabe kennt, bekommt eine erfundene Zahl. Das gilt für mich wie für jeden anderen.

Häufige Fragen

Ersetzt KI Mitarbeitende?

In den Betrieben, die ich betreue, bisher nicht. Sie verschiebt, woran Menschen arbeiten: weg vom Abtippen, hin zum Prüfen und Entscheiden. Ob das in fünf Jahren noch stimmt, weiss ich nicht.

Gehen unsere Daten an einen amerikanischen Konzern?

Das hängt vom gewählten Dienst und der Konfiguration ab, und es ist eine Frage, die vor dem ersten Versuch geklärt gehört, nicht danach. Für besonders schützenswerte Daten gibt es Anbieter, die in der Schweiz betrieben werden. Achten Sie dabei nicht nur auf den Standort des Rechenzentrums, sondern auf den Betreiber: Ein Schweizer Standort eines amerikanischen Konzerns bleibt amerikanischem Zugriffsrecht ausgesetzt. Diese Angebote sind meist teurer und arbeiten mit kleineren Modellen. Für das Zusammenfassen und Sortieren von Text reicht das gut, für anspruchsvolles Schreiben oft nicht.

Wir arbeiten mit Patientendaten. Reicht ein Schweizer Anbieter?

Nein, das ist die falsche Frage zuerst. Wer dem Berufsgeheimnis nach Art. 321 StGB untersteht, darf Patientendaten auch innerhalb der Schweiz nicht ohne Weiteres an einen Dienstleister geben. Der Beizug muss zur Leistung notwendig und für die Patientin vorhersehbar sein, sonst braucht es ihre Einwilligung. Der Serverstandort kommt danach. Praktisch heisst das: Für die meisten Aufgaben in einer Praxis arbeiten Sie mit anonymisierten oder erfundenen Daten, und die echten Namen bleiben draussen.

Werden unsere Eingaben zum Training verwendet?

Das ist die eine Einstellung, die vor allen anderen zu prüfen ist. Bei den Geschäfts- und Programmierzugängen der grossen Anbieter lässt sich das Training abschalten, bei den kostenlosen Oberflächen häufig nicht. Prüfen Sie ausserdem, wie lange der Anbieter Eingaben speichert und ob ein Auftragsbearbeitungsvertrag besteht.

Wir sind zu klein dafür.

Kleine Betriebe profitieren oft stärker, weil dort niemand für die wiederkehrende Arbeit zuständig ist und sie deshalb liegen bleibt. Der Aufwand für den Einstieg skaliert nicht mit der Betriebsgrösse.

Wie merken wir, dass es sich gelohnt hat?

Legen Sie vorher fest, woran Sie es messen. Stunden pro Woche, Anzahl bearbeiteter Anfragen, Durchlaufzeit. Ohne Messgrösse vorher gibt es hinterher nur Gefühle.

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