Robin Stohler

KI-Webdesign und Webentwicklung aus Zürich

SEO und GEO: der Unterschied, und warum Sie beides brauchen

Gerastertes Beitragsbild aus ring-Zeichen in blau

SEO sorgt dafür, dass Ihre Website in der Trefferliste von Google erscheint. GEO sorgt dafür, dass sie in der Antwort vorkommt, die ChatGPT, Perplexity oder die AI Overviews von Google jemandem direkt vorlegen. Der Unterschied klingt klein und hat Folgen für den Aufbau jeder einzelnen Seite: Google bewertet Seiten, Sprachmodelle zitieren Passagen.

Wer beides will, muss Seiten schreiben, die als Ganzes ranken und deren einzelne Absätze für sich verständlich bleiben.

Was sich geändert hat

Früher endete die Suche auf Ihrer Website. Heute endet ein wachsender Teil davor: Die Antwort steht bereits in der Suchmaschine oder im Chatfenster, und Ihre Seite kommt darin höchstens als Quelle vor.

Für Praxen, Institute und Fachbetriebe ist das die entscheidende Verschiebung. Wer eine Therapieform, eine Weiterbildung oder eine Behandlung sucht, stellt seine Frage inzwischen ebenso oft einem Sprachmodell wie einer Suchmaschine. Dort werden Sie genannt oder nicht, und dazwischen gibt es wenig.

Der technische Unterschied

Eine Suchmaschine crawlt Ihre Seite, bewertet sie und legt sie in einen Index. Steht die Seite auf Platz drei, sehen Nutzende Titel und Beschreibung und entscheiden, ob sie klicken.

Ein Sprachmodell arbeitet anders. Es sucht nach Textstellen, die eine konkrete Frage beantworten, und übernimmt diese Stelle in seine Antwort. Ob der Rest Ihrer Seite gut ist, spielt dabei kaum eine Rolle. Was zählt, ist der einzelne Absatz.

Daraus folgt die wichtigste Regel für GEO: Jeder Absatz muss ohne den Rest der Seite verständlich sein. Ein Absatz, der mit «Dies gilt auch hier» beginnt, wird nicht zitiert, weil niemand weiss, worauf «dies» sich bezieht.

Was konkret zu tun ist

Für beide Disziplinen

Sauberer technischer Unterbau: erreichbare Seiten, sinnvolle Adressen, kurze Ladezeiten, ein gepflegtes Inhaltsverzeichnis. Inhalte, die eine echte Frage beantworten statt Suchbegriffe zu wiederholen. Nachprüfbare Angaben zur Person oder Organisation dahinter.

Ein sauberer technischer Unterbau ist auch für GEO Voraussetzung. Wer ihn überspringt und direkt GEO betreiben will, baut auf Sand.

Zusätzlich für Suchmaschinen

Strukturierte Daten nach Schema.org, damit Maschinen verstehen, was auf der Seite steht. Für eine Praxis sind das Person, der passende LocalBusiness-Untertyp und Service. Titel und Beschreibungen, die zur Suchabsicht passen. Interne Verlinkung, die zusammengehörige Seiten verbindet.

FAQPage gehört inzwischen nicht mehr in diesen Abschnitt. Google hat die FAQ-Darstellung in den Suchergebnissen stark eingeschränkt; das Markup bleibt gültig und wird von Antwortmaschinen weiter gelesen, bringt bei Google aber keine eigene Darstellung mehr. Wer es setzt, setzt es für die zweite Gruppe.

Dazu die Ladezeitwerte, an denen Google tatsächlich misst: LCP unter 2,5 Sekunden, INP unter 200 Millisekunden, CLS unter 0,1. Gemessen wird nicht der Laborwert aus einem Testwerkzeug, sondern das 75. Perzentil echter Besuche über 28 Tage. Eine Seite kann im Test grün sein und im Feld durchfallen.

Zusätzlich für Antwortmaschinen

Setzen Sie die Antwort an den Anfang. Die ersten zwei bis drei Sätze einer Seite beantworten die Frage, um die es geht, ohne Anlauf und ohne Begrüssung.

Halten Sie die Absätze kurz und geschlossen: einer pro Aussage, keiner mit Rückbezug auf den vorherigen. Das ist ungewohnt zu schreiben und der wirksamste Hebel, den es gibt.

Werden Sie konkret. «Zwei bis drei Sitzungen» wird zitiert, «umfassend und individuell» nicht.

Eine llms.txt im Wurzelverzeichnis, eine Übersicht Ihrer Website in Markdown, kostet eine Stunde. Rechnen Sie nicht damit, dass sie Zitierungen bringt: Sie ist kein verabschiedeter Standard, und kein grosser Anbieter hat bestätigt, sie in der Suche auszuwerten. Belegt ist etwas anderes: Anthropic und OpenAI empfehlen sie für Agenten, die eine Website gezielt ansteuern. Legen Sie sie an, wenn Sie diesen Fall abdecken wollen, nicht weil jemand Sichtbarkeit verspricht.

Lassen Sie die richtigen KI-Crawler herein. Die Namen zerfallen in drei Gruppen, und die Unterscheidung entscheidet darüber, was Sie bekommen. Trainings-Crawler sammeln Material für künftige Modelle: GPTBot, ClaudeBot, Applebot-Extended. Such-Crawler bauen den Index, aus dem eine Antwort zur Laufzeit zitiert: OAI-SearchBot, Claude-SearchBot, PerplexityBot. Nutzerinitiierte Abrufe holen eine Seite, weil gerade jemand danach gefragt hat: ChatGPT-User, Claude-User, Perplexity-User.

Wer zitiert werden, aber nicht ins Training will, sperrt die erste Gruppe und lässt die anderen beiden zu. Das ist eine Zeile pro Crawler in der robots.txt und gilt für die ganze Website.

Google-Extended gehört in keine der drei Gruppen. Es ist kein Crawler, sondern ein Steuertoken dafür, ob Google Ihre Inhalte für Gemini verwenden darf. Gecrawlt wird über Googlebot, und über Googlebot laufen auch die AI Overviews. Wer Google-Extended sperrt, bleibt in der Suche und in den AI Overviews sichtbar. Wer Googlebot sperrt, verliert beides.

Formulieren Sie Überschriften als Fragen. Menschen fragen, und Sprachmodelle suchen nach Textstellen, die genau diese Frage beantworten.

Was nicht funktioniert

Suchbegriffe in Absätze stopfen. Texte, die dreihundert Wörter brauchen, um zur Sache zu kommen. Gekaufte Verlinkungen. Seiten, die für jede Ortschaft im Kanton dieselbe Vorlage ausgeben.

Ob diese Verfahren bei Antwortmaschinen schlechter wirken als bei Suchmaschinen, ist offen. Die meisten Antwortsysteme ziehen ihre Quellen aus einem klassischen Suchindex und erben dessen Schwächen mitsamt gekaufter Verlinkung. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass die neue Technik alte Tricks aussortiert.

Wie Sie messen

Für Suchmaschinen ist die Lage bequem: Search Console zeigt Suchanfragen, Position und Klicks.

Für Antwortmaschinen gibt es kein vergleichbares Werkzeug. Was hilft, ist ein festgelegter Satz von zehn bis zwanzig Fragen, die Ihre Kundschaft tatsächlich stellt. Diese Fragen stellen Sie regelmässig selbst in ChatGPT, Perplexity und der Google-Suche und halten fest, ob Sie genannt werden. Nicht elegant, aber es ist die einzige belastbare Messung, die derzeit verfügbar ist.

Eine zweite, kostenlose Messung liegt in Ihrer Webanalyse. Zugriffe aus Antwortmaschinen erscheinen dort als Verweise von chatgpt.com, perplexity.ai oder claude.ai. Diese Zahl ist kleiner als die Zahl der Nennungen, weil die meisten Leute nicht klicken. Dafür zählt sie Menschen statt Erwähnungen und lässt sich über Monate vergleichen.

Ergänzend lohnt ein Blick in die Serverprotokolle: Dort steht, welche KI-Crawler Ihre Seite besucht haben und wie oft.

Häufige Fragen

Ersetzt GEO das klassische SEO?

Nein. Die Grundlagen sind dieselben, und die Trefferliste von Google verschwindet nicht. GEO kommt dazu, es tritt nicht an die Stelle.

Wie lange dauert es, bis etwas passiert?

Bei Suchmaschinen typischerweise mehrere Wochen bis Monate. Bei Antwortmaschinen ist es unregelmässiger. Massgeblich ist meist nicht, wann ein Modell zuletzt trainiert wurde, sondern wie schnell der Suchindex dahinter Ihre Seite aufnimmt. Das kann Tage dauern oder Monate. Wer schnelle Ergebnisse verspricht, verspricht etwas, das er nicht halten kann.

Sollen wir KI-Crawler wirklich hereinlassen?

Trennen Sie die Frage. Wenn Sie zitiert werden wollen, lassen Sie die Such-Crawler und die nutzerinitiierten Abrufe herein: OAI-SearchBot, Claude-SearchBot, PerplexityBot, ChatGPT-User, Claude-User, Perplexity-User. Wenn Sie zugleich nicht ins Training wollen, sperren Sie GPTBot, ClaudeBot, Google-Extended und Applebot-Extended. Beides zusammen ist die übliche Einstellung, und sie kostet keine Sichtbarkeit.

Reicht ein SEO-Plugin?

Ein Plugin setzt Titel und Beschreibungen und erzeugt eine Sitemap. Es schreibt keine Texte, es beantwortet keine Fragen, und es baut keine Absätze um. Die eigentliche Arbeit bleibt liegen.

Was kostet ein Audit?

Das hängt vom Umfang der Website ab. Ein Befund für eine Praxisseite mit zehn Seiten ist etwas anderes als für ein Institut mit Kurskatalog und Blog. Fragen Sie an, dann bekommen Sie eine Zahl statt einer Spanne.

Weitere Artikel